Rezeptkritik, die die Welt nicht braucht [Blog-Kolumne]

5. Juli 2018Ina
Blog post

Ja, ich weiß! Alle Blogger beschweren sich ständig über die kleinen Nervigkeiten ihres Berufsalltags. Zunächst einmal darüber, dass der Beruf Blogger immer noch von vielen belächelt wird. Dann über die fehlende Wertschätzung der Leser, dann über den Stress, ständig durch die Welt zu jetten und sogar darüber, als ach so attraktive Modebloggerin immer auf sein Äußeres reduziert zu werden. Wie furchtbar! Schlimm ist es natürlich auch, vor lauter geschenkter Designerklamotten nicht mehr zu wissen, was man anziehen soll… – Aber Spaß beiseite: Manches davon ist gerechtfertigt, manches vielleicht eher nicht.

Ich als Foodbloggerin habe nicht das Problem, zu attraktiv für diese Welt zu sein. Nein, ich muss mich auch nicht entscheiden zwischen der Gucci- und der Saint-Laurent-Handtasche. Aber: Auch mir sind mittlerweile ein paar Dinge aufgefallen, die mir das Bloggen manchmal etwas schwerer machen. Das heißt natürlich nicht, dass ich es nicht gerne mache. Es sind auch nicht alle Leser so, wie die, die ich jetzt zitieren werde… Dennoch! Manchmal verstehe ich einfach die Reaktion der Leute auf meinen Blog oder meine Rezepte nicht. Manchmal muss ich auch wirklich mutmaßen, dass die Leute nicht richtig lesen können. Oder dass sie schlicht keinen Anstand haben…

Ist euch zum Beispiel schonmal eingefallen, einen Brief oder eine E-Mail ohne Begrüßung zu schreiben? Unhöflich! Wenn man einen Kommentar unter einen Blogpost schreibt, für den sich jemand sehr viel Mühe gegeben hat, ist das offenbar völlig ok. Man geht einfach in medias res und fragt: Backen bei wie viel Grad? Als würde das nicht ungefähr dreimal im Rezept stehen… Aber egal! Als Blogger muss man dann natürlich trotzdem höflich antworten, denn für die Bloggerwelt gilt: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es niemals heraus.

Im Internet wird natürlich auch nichts je vergessen. Eine unhöfliche Antwort, ein spontan in emotionaler Verfassung geschriebener Text… Alles ist immer da, selbst wenn man es wieder zu löschen versucht. Man sollte sich schon überlegen, ob man wirklich so unhöflich antworten möchte, wie die Frage formuliert ist.

Dabei ist ein fehlendes Grußwort ja noch eine Kleinigkeit. Wesentlich schlimmer finde ich da die Leute, die ein Rezept nachbacken und sich dann über völlig abstruse Dinge beschweren: Zum Beispiel hat mal eine Leserin mein Bagels Rezept nachgebacken. Ihr Kommentar auf Pinterest: Viel zu viel Aufwand! Hätte ich vorher gewusst, dass man den Teig so kompliziert formen muss, hätte ich das nie gemacht. – Ähhhh, ja. Es ist natürlich bei Bagels überhaupt nicht klar, dass man da irgendwie ein Loch reinmachen muss. Das finde ich auch total überraschend! Außerdem ist das etwas, das in der Natur der Sache liegt: Es ist nicht die Schuld meines Rezepts, dass man den Teig formen muss. Das ist einfach bei Bagels so und wenn man darauf keine Lust hat, muss man das Rezept auch nicht nachbacken.

Überhaupt immer die Beschwerden darüber, dass etwas zu aufwändig ist oder zu lange dauert! Wenn ich keine Lust habe, meinen Brotteig über Nacht gehen zu lassen, weil ich nachts nicht etwa schlafe, sondern die ganze Zeit nur vor der Schüssel stehe und warte, bis ich endlich meinen Teig weiterverarbeiten darf, dann muss ich kein solches Rezept nachbacken. Es gibt doch Alternativen! Das ganze Internet ist voll von Turbo-Brotrezepten, in denen so viel Hefe drin ist, dass man dem Teig beim Wachsen zuschauen kann. Wie wäre es damit?

Nein, das ist natürlich auch nicht recht: Denn diese Leute, die sich bei langsamen Broten über die unerträgliche Wartezeit beschweren, beschweren sich bei kurzen Broten ganz genauso. Dieses Mal stört sie, dass im Teig zu viel Hefe drin ist und das Ergebnis etwas zu hefelastig schmeckt. Ach was! Bei einem Brot, von dem man erwartet, dass es am besten vorgestern fertig ist, ist also viel Hefe drin? Das ist ja absolut furchtar!

Wie kommt ein Blogger überhaupt darauf, so etwas zu posten? Ist es nicht die Aufgabe von Bloggern, mindestens dreimal die Woche das beste Rezept aller Zeiten zu veröffentlichen? Nein? Wozu sind die dann eigentlich da? Ich meine, ja, natürlich genieße ich gerne tausende kostenlose Rezepte, Tipps und Erfahrungsberichte. Und ja, natürlich will ich mir meine Gratis Anleitungen und Freebies runterladen. Ist doch selbstverständlich, dass Blogger sowas für mich kostenlos zur Verfügung stellen. Aber wehe sie wollen damit Geld verdienen! Dann hört mein Verständnis auf! Denn seit wann ist es in Ordnung, ohne Arbeit Geld zu verdienen?

Ja, seit wann eigentlich? – Diese Diskussion um Blogger und Geld habe ich noch nie verstanden. Wieso ist denn Bloggen keine Arbeit? Bloggen besteht aus Schreiben, Fotografieren, Kommunizieren, Webdesign… Alles Dinge, die zum Beispiel auch ein Online-Journalist oder professioneller Fotograf macht. Bei denen ist das Arbeit, mit der man Geld verdienen darf, aber bei Bloggern nicht? Was ist denn das für eine Logik? …

Wie dem auch sei! Das ist wahrscheinlich ein Thema, über das man einen eigenen riesigen Post schreiben könnte. Kommen wir zurück zu Rezeptkritik, die die Welt nicht braucht: Am besten finde ich immer noch die Leser, die ein Rezept völlig anders nachbacken als angegeben und sich dann beklagen. Zum Beispiel empfehle ich immer, Brotteige in der Küchenmaschine zu kneten oder von Hand. Die allerschlechteste Option ist immer und war schon immer der Mixer. Wenn Leute einen Brotteig, den ich in meiner High-End-Küchenmaschine 20 Minuten lang habe maltretieren lassen, ein paar Sekunden mit dem Mixer verpanschen, kann ich  leider auch nichts dafür, dass aus diesem Brot nichts wird. Sorry, aber das liegt nicht an meinem Rezept!

Zumal ich ja bei jedem meiner Rezepte meine eigenen (und nicht von Pixabay und Konsorten heruntergeladenen) Fotos poste. Diese (im Übrigen fast unbearbeiteten) Fotos sind quasi ein Beweis dafür, dass das Rezept zu einem brauchbaren Ergebnis geführt hat. Wie kann man dann, nur weil man es selbst nicht hingekriegt hat, behaupten, das Rezept wäre absoluter Müll? Das ist nicht nur respektlos gegenüber der Person, die dieses Rezept mit viel Mühe und Zeit für euch hochgeladen hat. Es ist auch unfair und in der Sache nicht korrekt.

Natürlich ist es in Ordnung, Rezepte ehrlich zu bewerten und ich möchte ja auch immer euer Feedback! Aber manchmal frage ich mich schon, ob die Leute da draußen das, was Blogger leisten, wirklich verstehen und wertschätzen. Ein Blogpost ist nicht in einer Stunde fertig und auch nicht in zwei oder drei. Darin steckt viel Arbeit und Herzblut und obwohl ich über manche der oben beschriebenen Kritiken auch lachen kann, würde ich mir doch ein bisschen mehr Wertschätzung wünschen. Zumindest von manchem Leser und besonders auf Pinterest, wo die Leute oft besonders harsch sind. Erst überlegen, dann schreiben, das wäre doch eine gute Maßnahme, oder?

 

4 Comments

  • Angelika

    15. Juli 2018 at 20:33

    Hallo Ina,
    das musste wohl mal gesagt werden! Ich selbst hätte auch gerne einen Block, doch weil ich mir schon denken kann, wieviel Arbeit dahintersteckt, lasse ich die Finger davon.
    Beim Lesen von Kommentaren, kann ich oft auch nur den Kopf schütteln. Bevor ich ein Rezept nachbacke, muss ich doch wohl erstmal überlegen; was ich überhaupt will und ob gerade das Rezept für mich in Frage kommt.
    Kommentare wie „hört sich gut an, muss ich mal nachbacken“ finde ich persönlich überflüssig. Nachmachen, dann kommentieren oder Fragen stellen, falls nötig.
    Leider trägt die Anonymität dazu bei, dass Menschen ihre gute Kinderstube vergessen, falls sie überhaupt eine genossen haben.
    Ich persönlich freue mich über die vielen, wirklich guten Bloggerinnen und Blogger, die mit viel Herz ihre Zeit, Geld und Mühe investieren.
    Deine Seite ist mir auch besonders an Herz gewachsen und ich hoffe, dass die guten Kommentare dich zum Weitermachen bewegen.
    Alles Liebe
    Angelika

    1. Ina

      15. Juli 2018 at 20:58

      Hallo Angelika! Danke für deine motivierenden Worte. Das ist wahrscheinlich einfach eine Erfahrung, die jeder Blogger irgendwann machen muss. Und dann sammelt sich im Laufe der Zeit Frust an, dem man dann mal Luft machen muss. Aber insgesamt überwiegt dann ja doch das positive 🙂 Und es gibt ja viele Leute wie dich, die die ganze Arbeit schon zu schätzen wissen ♡

  • Andrea

    9. September 2018 at 15:44

    Liebe Ina,
    ich folge nun seit einiger Zeit deinem Blog und habe ihn auch abonniert.
    Vielen lieben Dank für die idiotensicheren Beschreibungen deiner Rezepte
    und die vielen tolllen Fotos.
    Seitdem es diese tollen Foodblogs gibt, wie deinen, kaufe ich mir keine
    Kochbücher mehr. Wenn ich etwas nicht kapiere, kann ich direkt nachfragen
    und bekomme gleich eine hilfreiche Antwort.
    Es ist wirklich sehr schade, dass es Menschen gibt, die dieses klasse Angebot
    nicht zu schätzen wissen!!!
    Ich hoffe, du lässt dich trotzdem nicht entmutigen und führst diesen tollen Blog weiter!?
    Viele liebe Grüße
    Andrea

    1. Ina

      21. September 2018 at 11:59

      Hallo Andrea!
      Vielen lieben Dank für deinen tollen Kommentar. Ich freue mich immer sehr, wenn ich solch liebes Feedback kriege! Danke, dass du dir die Zeit dafür genommen hast 🙂 Ich hoffe, ich komme bald wieder mehr zum Bloggen und du bleibst meiner Seite treu.
      Viele liebe Grüße, Ina

Leave a comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag